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Ferdiand Hauer

Neue Studie: Rauchen als Vorteil fuer die PKV?

Raucher sind sozialverträgliche Bürger: Zu diesem etwas verblüffenden Ergebnis kommt eine neue Studie des Karlsruher Instituts für Technologie. Eigentlich wurde sie für die Rentenversicherung erstellt. Die Autoren fanden dabei heraus, dass die Tabaksteuer dem Staat erhebliche Einnahmen in Form von Steuern generiert, und dass hohe Preise den Rauchern eigentlich die Lust am Tabakkonsum nehmen sollen. Trotzdem bleibt der Zigarettenkonsum auf einem hohen Niveau. Außerdem soll Rauchen die Sozialversicherten und die Steuerzahler entlasten. Das bedeutet, dass eine Erhöhung der Tabaksteuer aus Kostengesichtspunkten nicht zu rechtfertigen wäre. Trotzdem stellt sich vor diesem überraschenden Ergebnis die Frage, wie sich das Rauchen eigentlich auf die private Krankenversicherung (https://www.private-krankenversicherungen-testsieger.de/) auswirkt.


Rauchen verursacht hohe Nettokosten
In der Studie wurden zwei Modellrechnungen gegenüber gestellt. Auf der Basis von Zahlen aus dem Jahr 2011 bewertete man eine modellhafte Gesellschaft, die sich nur aus Nichtrauchern zusammensetzt. Im Modell konnten die Menschen maximal 89 Jahre alt werden. Nach aktuellen Untersuchungen sterben männliche Raucher etwa 12 Jahre früher als Nichtraucher, weibliche Raucher sterben immer noch 11 Jahre früher. Im realen Leben ist der Anteil der rauchenden Männer ab 15 Jahren um 30 Prozent höher als der Anteil der Frauen, rund 24 Prozent haben früher geraucht, und beachtliche 46 Prozent haben nie geraucht. Unter den Frauen gibt es 21 Prozent Raucherinnen, 15 Prozent haben früher geraucht, 64 Prozent haben es nicht einmal versucht. Die Nettokosten in dieser realen Gesellschaft setzen sich aus medizinischen Behandlungen von Raucherkrankheiten in Höhe von 65 Milliarden Euro und 18,5 Milliarden Euro für Erwerbsminderungsrenten sowie für 6,8 Milliarden Euro für dienstunfähige Beamte zusammen. Für verwitwete Partner entstehen Kosten von 67 Milliarden Euro, die Einsparungen bei der Rentenkasse machen 158 Milliarden Euro aus, für Beamte sind 35 Milliarden Euro zu sparen. Nach diesem Modell und bei Ansatz dieser Zahlen ist die reale Gesellschaft um 36 Milliarden Euro günstiger als eine Gesellschaft, die ausschließlich aus Nichtrauchern entsteht. Außerdem entgehen dem Staat Einnahmen aus Tabaksteuer in Höhe von 375 Milliarden Euro über ein gesamtes Raucherleben berechnet. Sind Raucher dem Gesundheitssystem also letztlich sogar zuträglich?

Eine Studie mit Streitpotenzial
Das Ergebnis dieser Studie darf und muss hinterfragt werden. Gerade im Hinblick auf eine Summe von 65 Milliarden Euro, die für die Behandlung von Raucherkrankheiten auf die gesetzlichen und auf die privaten Kassen zukommen, kann kaum davon gesprochen werden, dass Raucher der Versicherungsbranche und der Krankenversicherung etwas Gutes tun. Es muss vielmehr klar sein, dass solche Ausgaben der Kassen sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Krankenversicherung durch die Versicherten kompensiert werden müssen. Diese haben für solche Mehrkosten in Form von höheren Beiträgen aufzukommen. Es kann und darf deshalb nicht ohne Diskussion angenommen werden, dass Raucher dem Gesundheitssystem letztlich sogar positive Effekte bescheren.


Verantwortlich für diesen Beitrag: Ferdiand Hauer